Sophos Hukuk Bürosu

Was macht ein Anwalt für Verkehrsbußgelder?

Ein Anwalt für Verkehrsbußgelder ist ein Rechtsanwalt, der rechtliche Unterstützung bei Einsprüchen gegen Verwaltungsgeldbußen, bei der Einziehung und dem Entzug der Fahrerlaubnis, bei Schadensersatzansprüchen aus Verkehrsunfällen sowie bei Verkehrsstraftaten leistet, die – wie Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss oder die Verwendung gefälschter Kennzeichen – ein Strafverfahren nach sich ziehen. Das Gesetz Nr. 7574 zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes, veröffentlicht im Amtsblatt (Resmî Gazete) vom 27. Februar 2026, Nr. 33181, hat das türkische Straßenverkehrsgesetz Nr. 2918 (Karayolları Trafik Kanunu – KTK) in 36 Artikeln umfassend geändert und die Bußgeldbeträge, die Dauer der Einziehung des Führerscheins sowie die Voraussetzungen für dessen Rückgabe grundlegend neu gestaltet.

In diesem Leitfaden erläutern wir – unmittelbar gestützt auf den Gesetzestext – die aktuellen Bußgeldbeträge nach dem Gesetz Nr. 7574, das Einspruchsverfahren und die Fälle, in denen die Hinzuziehung eines Anwalts für Verkehrsrecht in Betracht kommt.

Hinweis zur Quelle: Die Beträge und Fristen in diesem Beitrag sind dem im Amtsblatt veröffentlichten Text des Gesetzes Nr. 7574 entnommen. Da die Bußgelder in den durch das Gesetz nicht geänderten Artikeln jedes Jahr gemäß dem wiederholten Art. 298 des Steuerverfahrensgesetzes Nr. 213 (Vergi Usul Kanunu) um die Neubewertungsrate erhöht werden, sind nachfolgend nur die unmittelbar durch das Gesetz Nr. 7574 festgelegten Beträge aufgeführt.

Die wichtigsten Änderungen durch das Gesetz Nr. 7574

Das Gesetz ist am 27. Februar 2026 in Kraft getreten. Artikel 28 über Elektroroller tritt dagegen am 1. Januar 2027 in Kraft. Die wesentlichen Neuerungen sind:

Bußgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen 2026 (Art. 51 KTK)

Artikel 14 des Gesetzes Nr. 7574 hat Artikel 51 des Straßenverkehrsgesetzes vollständig neu gefasst. Die Höhe des Bußgelds richtet sich nicht mehr danach, um wie viel Prozent die Höchstgeschwindigkeit überschritten wurde, sondern danach, um wie viele km/h sie überschritten wurde.

Innerorts

Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit Verwaltungsgeldbuße Führerschein
6–10 km/h 2.000 TL —
11–15 km/h 4.000 TL —
16–20 km/h 6.000 TL —
21–25 km/h 8.000 TL —
26–35 km/h 12.000 TL —
36–45 km/h 15.000 TL —
46–55 km/h 20.000 TL Einziehung für 30 Tage
56–65 km/h 25.000 TL Einziehung für 60 Tage
66 km/h und mehr 30.000 TL Einziehung für 90 Tage

Außerorts

Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit Verwaltungsgeldbuße Führerschein
11–15 km/h 2.000 TL —
16–20 km/h 4.000 TL —
21–25 km/h 6.000 TL —
26–30 km/h 8.000 TL —
31–40 km/h 12.000 TL —
41–50 km/h 15.000 TL —
51–60 km/h 20.000 TL Einziehung für 30 Tage
61–70 km/h 25.000 TL Einziehung für 60 Tage
71 km/h und mehr 30.000 TL Einziehung für 90 Tage

Wird der Führerschein nach dieser Vorschrift innerhalb eines Jahres, gerechnet rückwärts ab dem letzten Verstoß, zum fünften Mal eingezogen, so wird er nach Ablauf der Einziehungsdauer nur zurückgegeben, wenn eine psychotechnische Untersuchung und eine Untersuchung durch einen Facharzt für Psychiatrie ergeben, dass keine Fahruntauglichkeit vorliegt.

Darüber hinaus wird gegen Hersteller und Importeure von Geräten, die den Standort von Geschwindigkeitsmessanlagen erkennen oder den Fahrer davor warnen, eine Verwaltungsgeldbuße von 370.000 TL und gegen den Halter, der ein solches Gerät im Fahrzeug mitführt, von 185.000 TL verhängt; die Geräte werden beschlagnahmt und deren Einziehung zugunsten des Staates angeordnet.

Bußgelder für Rotlichtverstöße (Art. 47 KTK)

Bei Rotlichtverstößen steigt das Bußgeld je nach Anzahl der Wiederholungen innerhalb eines Jahres, gerechnet rückwärts ab dem letzten Verstoß:

Anzahl der Verstöße (innerhalb 1 Jahres) Verwaltungsgeldbuße Führerschein
1. Verstoß 5.000 TL —
2. Verstoß 10.000 TL —
3. Verstoß 15.000 TL Einziehung für 30 Tage
4. Verstoß 20.000 TL Einziehung für 60 Tage
5. Verstoß 30.000 TL Einziehung für 90 Tage
6. Verstoß 80.000 TL Entzug (Annullierung)

Fahrern, die durch einen Rotlichtverstoß einen Verkehrsunfall verursachen, wird der Führerschein für 60 Tage eingezogen. Die in diesem Rahmen eingezogenen Führerscheine werden nach Ablauf der Frist unter der Voraussetzung einer psychotechnischen Untersuchung zurückgegeben.

Personen, deren Führerschein entzogen wurde, müssen für eine neue Fahrerlaubnis erneut eine Fahrschule besuchen und die Prüfung bestehen. Für die Aufnahme in die Fahrschule ist erforderlich, dass sämtliche Verwaltungsgeldbußen bezahlt sind, seit dem Entzug mindestens ein Jahr vergangen ist und der Fahrschule ein Nachweis vorgelegt wird, dass nach psychotechnischer Untersuchung und Untersuchung durch einen Facharzt für Psychiatrie keine Fahruntauglichkeit besteht.

Gegen Fahrer, die sich bei Kontrollen der Aufforderung „Halt“ widersetzen und flüchten, wird eine Verwaltungsgeldbuße von 200.000 TL verhängt; der Führerschein wird für 60 Tage eingezogen und das Fahrzeug für 60 Tage aus dem Verkehr gezogen.

Bußgelder wegen Alkohol und Drogen (Art. 48 KTK)

Sachverhalt Verwaltungsgeldbuße Führerschein
Fahren unter Alkoholeinfluss – 1. Mal 25.000 TL Einziehung
Fahren unter Alkoholeinfluss – 2. Mal 50.000 TL Einziehung
Fahren unter Alkoholeinfluss – 3. Mal und öfter 150.000 TL Einziehung
Fahren unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln/Stimulanzien 150.000 TL Entzug (Annullierung)
Verweigerung der Alkohol- oder Drogenmessung 150.000 TL Einziehung für 5 Jahre

Personen, deren Führerschein wegen Betäubungsmitteln oder Stimulanzien entzogen wurde, können eine neue Fahrerlaubnis nur erhalten, wenn seit dem Entzug mindestens fünf Jahre vergangen sind, sämtliche Verwaltungsgeldbußen bezahlt sind, eine psychotechnische Untersuchung bestanden wurde und der Fahrschule ein Gutachten einer amtlichen Gesundheitseinrichtung (Gesundheitsausschussbericht) vorgelegt wird, aus dem hervorgeht, dass keine Fahruntauglichkeit besteht. Gegen diese Personen finden zudem die Vorschriften des türkischen Strafgesetzbuchs (TCK) Anwendung.

Fahrern, die beim Führen von Fahrzeugen im Güter- und Personenverkehr innerhalb von fünf Jahren insgesamt dreimal einen Alkoholverstoß oder eine Verweigerung der Messung begehen, wird der Führerschein entzogen.

Fahren ohne Fahrerlaubnis (Art. 36 KTK)

Sachverhalt Verwaltungsgeldbuße
Führen eines Kraftfahrzeugs ohne Führerschein 40.000 TL
Fahren, während der Führerschein vorübergehend oder vorsorglich eingezogen ist 200.000 TL
Fahren, während der Führerschein entzogen ist 200.000 TL
Halter, der das Fahren des Fahrzeugs gestattet (über das amtliche Kennzeichen) 40.000 TL

Kennzeichenverstöße (Art. 23 KTK)

Verstoß Bußgeld und Sanktion
Anbringen eines nicht verordnungskonformen Kennzeichens, Nichtanbringen der vorgeschriebenen Anzahl von Kennzeichen 4.000 TL; das Fahrzeug wird bis zur Herstellung des ordnungsgemäßen Zustands aus dem Verkehr gezogen
Vorsätzliches Herbeiführen einer falschen Lesbarkeit oder Unlesbarkeit des Kennzeichens 140.000 TL + Fahrzeug 30 Tage stillgelegt
(bei Wiederholung innerhalb 1 Jahres jeweils 280.000 TL + 60 Tage Stilllegung)
Fahren eines zugelassenen Fahrzeugs ohne Kennzeichen 46.000 TL + Führerschein 30 Tage + Fahrzeug 30 Tage stillgelegt
(bei Wiederholung 140.000 TL + 60 Tage + 60 Tage Stilllegung)
Anbringen/Verwenden eines gefälschten oder zu einem anderen Fahrzeug gehörenden Kennzeichens 140.000 TL + Führerschein 30 Tage + Fahrzeug 30 Tage stillgelegt
(bei Wiederholung 280.000 TL + 60 Tage + 60 Tage Stilllegung)

Gegen Personen, die ein gefälschtes oder zu einem anderen Fahrzeug gehörendes Kennzeichen verwenden, finden zudem gemäß Art. 204 des türkischen Strafgesetzbuchs (TCK) die Vorschriften über die Fälschung amtlicher Urkunden Anwendung. Dies bedeutet neben dem Verwaltungsverfahren ein gesondertes Strafverfahren.

Aggressives Verhalten im Verkehr, Falschfahren und Verkehrsbehinderung (Art. 46 KTK)

Verstoß Bußgeld und Sanktion
Beharrliches Verfolgen eines anderen Fahrzeugs in Angriffsabsicht oder Aussteigen aus dem Fahrzeug zu diesem Zweck 180.000 TL + Führerschein 60 Tage + Fahrzeug 60 Tage stillgelegt
Fahren in falscher Richtung auf Autobahnen oder auf außerorts gelegenen Straßen mit getrennten Fahrbahnen 90.000 TL + Führerschein 60 Tage + Fahrzeug 60 Tage stillgelegt
Anhalten im Konvoi oder einzeln in einer Weise, die den Verkehrsfluss behindert 90.000 TL + Führerschein 60 Tage + Fahrzeug 60 Tage stillgelegt
(auf Autobahnen, Brücken, Viadukten oder in Tunneln doppelt)
Fahren in falscher Richtung auf innerorts gelegenen Straßen mit getrennten Fahrbahnen 20.000 TL
Befahren von Gehwegen, Verstoß gegen Radwegregelungen 5.000 TL

Wird der Führerschein nach dieser Vorschrift innerhalb von fünf Jahren, gerechnet rückwärts ab dem letzten Verstoß, zum zweiten Mal eingezogen, wird er entzogen. Führerscheine, die wegen Falschfahrens oder aggressiven Verhaltens im Verkehr eingezogen wurden, werden nach Fristablauf unter der Voraussetzung einer psychotechnischen Untersuchung zurückgegeben.

Bei gesetzmäßig angemeldeten Versammlungen und Demonstrationszügen liegt hinsichtlich der Verkehrsbehinderung keine Ordnungswidrigkeit vor.

Motorradakrobatik und Rennen (Art. 66 und Art. 70 KTK)

Verstoß Bußgeld und Sanktion
Fahren des Motorrads auf einem Rad, stehend auf dem Sitz, mit rutschendem Rad oder mit ähnlichen akrobatischen Manövern 46.000 TL + Führerschein 60 Tage + Fahrzeug 60 Tage stillgelegt
Fahrer von Kraftfahrzeugen, die ohne Genehmigung Rennen fahren 46.000 TL + Einziehung des Führerscheins für 2 Jahre + Fahrzeug 60 Tage stillgelegt
Veranstalter von Rennen ohne Genehmigung 16.000 TL

Nach beiden Vorschriften wird der Führerschein entzogen, wenn er innerhalb von fünf Jahren zum zweiten Mal eingezogen wird.

Weitere aktuelle Bußgeldbeträge

Verstoß Bußgeld und Sanktion
Benutzung des Mobiltelefons während der Fahrt (1. Verstoß) 5.000 TL
Mobiltelefon (2. Verstoß innerhalb 1 Jahres) 10.000 TL
Mobiltelefon (3. und jeder weitere Verstoß innerhalb 1 Jahres) 20.000 TL + Führerschein jeweils 30 Tage
Nichtanlegen des Sicherheitsgurts (Fahrer/Beifahrer) 2.500 TL
(Fahrer: ab dem 4. Verstoß innerhalb 1 Jahres Führerschein jeweils 30 Tage)
Nichtverwendung von Schutzhelm und Schutzbrille 2.500 TL; beim 2. Verstoß 5.000 TL; ab dem 3. Verstoß 10.000 TL
Beförderung eines Kindes unter 15 Jahren ohne Rückhaltesystem 5.000 TL
Vorschriftswidrige technische Veränderung am Fahrzeug Halter 5.000 TL + Stilllegung des Fahrzeugs
Veränderung, die störenden Lärm verursacht (überlauter Auspuff) Fahrer zusätzlich 16.000 TL + Fahrzeug 30 Tage stillgelegt
Mitführen/Verwenden vorschriftswidriger Ton-, Musik-, Bild- und Kommunikationsgeräte 21.000 TL + Fahrzeug 30 Tage stillgelegt
Keine freie Bahn für bevorrechtigte Fahrzeuge wie Rettungs- oder Feuerwehrfahrzeuge 46.000 TL + Führerschein 30 Tage + Fahrzeug 30 Tage stillgelegt
Missbrauch des Wegerechts (Sonderrechte) 46.000 TL
Nichteinhaltung der Winterreifenpflicht (Halter) 6.000 TL
Nichtmitführen/Nichtverwenden von Schneeketten 6.000 TL
Behinderung des Verkehrs während des Winterdienstes (Schnee- und Eisbekämpfung) 24.000 TL
Verlassen der Unfallstelle ohne Erlaubnis der Polizei 46.000 TL
Verlassen der Unfallstelle bei einem Unfall mit Todesfolge oder Verletzten 1–3 Jahre Freiheitsstrafe + Einziehung des Führerscheins für 2 Jahre
Betrieb eines E-Scooter-Sharing-Dienstes ohne Erlaubnisschein 86.900 TL

Neue Regelungen durch das Gesetz Nr. 7574

Verbreitung und Verherrlichung von Verkehrsverstößen in sozialen Medien (Zusatzartikel 20)

Verboten ist es, eine nach dem Gesetz mit einer Verwaltungssanktion belegte Handlung über Presse, Rundfunk, Internet, soziale und digitale Medien oder andere elektronische Geräte zu teilen und dadurch Aufnahmen, die zu Verkehrsverstößen anstiften, öffentlich zu verbreiten und zu verherrlichen. Die Sanktion ist eine Verwaltungsgeldbuße von 25.000 TL.

Umschreibungspflicht beim Tod des Fahrzeugeigentümers (Art. 20 KTK)

Verstirbt der Fahrzeugeigentümer, sind die Erben verpflichtet, innerhalb von neunzig Tagen ab dem Todestag bei der zuständigen Zulassungsstelle die Umschreibung des Fahrzeugs auf ihren Namen zu beantragen. Die Umschreibung erfolgt mit Wirkung zum Todestag. Wird nach Ablauf dieser Frist festgestellt, dass das Fahrzeug ohne Umschreibung auf die Erben im Straßenverkehr bewegt wird, wird gegen den Fahrer eine Verwaltungsgeldbuße von 3.000 TL verhängt und das Fahrzeug bis zur Umschreibung aus dem Verkehr gezogen.

Adressat des Bußgelds bei Mietfahrzeugen (Art. 116 KTK)

Wird anhand der nach dem Meldegesetz Nr. 1774 (Kimlik Bildirme Kanunu) für die Kontrolle durch die Polizei bereitgehaltenen Daten festgestellt, dass das Fahrzeug, mit dem der Verstoß begangen wurde, zu diesem Zeitpunkt vermietet war, und verfügt der Mieter über eine zustellungsfähige Anschrift, wird der Bußgeldbescheid auf den Namen des Mieters ausgestellt und das Bußgeld beim Mieter eingezogen.

Ausländische Fahrer (Art. 115 KTK)

Gegen ausländische Staatsangehörige verhängte Verwaltungsgeldbußen, die bis zur Ausreise nicht beigetrieben werden konnten, werden bei der erneuten Einreise dieser Person eingezogen. Ist die Einziehung nicht möglich, wird dem Ausländer die Einreise verweigert. Für ausländische Fahrer in der Türkei sowie für Unternehmen, die Fahrzeuge an Ausländer vermieten, ist diese Regelung von besonderer Bedeutung.

Ausweitung der Fahrtenschreiberpflicht (Art. 31 und vorläufiger Art. 27 KTK)

Für Kraftfahrzeuge zur Güterbeförderung mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 3.500 Kilogramm sowie für Fahrzeuge zur Personenbeförderung mit mehr als siebzehn Sitzplätzen einschließlich Fahrersitz ist das Mitführen eines Fahrtenschreibers (Tachograph) nun Pflicht. Für die neu erfassten Fahrzeuge gilt folgender Übergangszeitplan:

Modelljahr des Fahrzeugs Beginn der Pflicht
2021 und neuer Erste Hauptuntersuchung nach dem 31/12/2026
2016–2020 Erste Hauptuntersuchung nach dem 31/12/2027
2011–2015 Erste Hauptuntersuchung nach dem 31/12/2028
1996–2010 Erste Hauptuntersuchung nach dem 31/12/2029
1985–1995 Erste Hauptuntersuchung nach dem 31/12/2030

Rückgabe des Führerscheins: Neue Voraussetzungen

Die Neuerung des Gesetzes Nr. 7574, die in der Praxis die meisten Probleme bereitet, sind die Voraussetzungen für die Rückgabe eines eingezogenen Führerscheins. Das Gesetz wiederholt in nahezu allen einschlägigen Artikeln dieselbe Regel:

  1. Bezahlung sämtlicher Verwaltungsgeldbußen. Einem Fahrer, gegen den nach dem Gesetz verhängte Bußgelder noch offen sind, wird der Führerschein nicht zurückgegeben. Diese Voraussetzung erfasst auch alte Bußgelder, die mit dem Verstoß nichts zu tun haben.
  2. Psychotechnische Untersuchung. Bei Falschfahren, Verfolgen in Angriffsabsicht, Motorradakrobatik, Rennen, Verstößen gegen das Wegerecht bevorrechtigter Fahrzeuge und wiederholten Rotlichtverstößen muss festgestellt werden, dass keine Fahruntauglichkeit vorliegt.
  3. Untersuchung durch einen Facharzt für Psychiatrie. Diese wird zusätzlich verlangt bei Personen, deren Führerschein innerhalb eines Jahres zum fünften Mal wegen Geschwindigkeitsüberschreitung eingezogen wurde, sowie bei Personen, deren Führerschein wegen Rotlichtverstößen entzogen wurde.
  4. Erneuter Besuch der Fahrschule. Personen, deren Führerschein entzogen wurde, müssen erneut die Fahrschule besuchen, die Prüfung bestehen und ein neues Zertifikat erwerben.

Es gibt eine wichtige Übergangsvorschrift: Vorgänge vor dem Inkrafttreten des Gesetzes am 27. Februar 2026 werden bei der Berechnung von Wiederholungsfällen nicht berücksichtigt (vorläufiger Art. 27). Diese Vorschrift gilt für Verstöße nach den Artikeln 23, 25, 31, 46, 47, 73 und 78 sowie nach Absatz 14 des Artikels 48 und Absatz 3 des Zusatzartikels 2. Werden frühere Verstöße bei der Bußgeldbemessung als Wiederholung berücksichtigt, begründet diese Vorschrift einen Einspruchsgrund.

Das Einspruchsverfahren gegen Verkehrsbußgelder

Einspruchsfrist: 15 Tage

Gemäß Art. 27 des Ordnungswidrigkeitengesetzes Nr. 5326 (Kabahatler Kanunu) kann gegen einen Bußgeldbescheid innerhalb von spätestens fünfzehn Tagen ab Zustellung oder Bekanntgabe des Bescheids beim Friedensstrafrichter (Sulh Ceza Hâkimliği) Einspruch eingelegt werden. Diese Frist ist eine Ausschlussfrist:

Wird die Frist versäumt, wird das Bußgeld rechtskräftig und die Möglichkeit des Einspruchs entfällt grundsätzlich. Nur wenn die Frist aus Gründen versäumt wurde, die die Person nicht zu vertreten hat, kann eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt werden.

Dem Einspruchsschreiben beizufügende Unterlagen

Ist für den Einspruch ein Anwalt erforderlich?

Nein. Für den Einspruch gegen ein Verkehrsbußgeld besteht kein Anwaltszwang. Der Betroffene kann unmittelbar beim Friedensstrafrichter einen Schriftsatz einreichen oder den Einspruch über e-Devlet mittels des UYAP-Bürgerportals einlegen. Für den Einspruch werden keine Gebühren erhoben.

Gleichwohl beeinflussen die zutreffende Bestimmung des rechtlichen Einspruchsgrunds, die Einhaltung der Fristen und die ordnungsgemäße Vorlage der Beweismittel das Ergebnis unmittelbar. Insbesondere wenn es um die Einziehung oder den Entzug des Führerscheins geht, ist rechtliche Unterstützung sinnvoll, da sich das Verfahren dann nicht auf das Bußgeld beschränkt.

Ermäßigung bei frühzeitiger Zahlung

Gemäß Art. 17 des Ordnungswidrigkeitengesetzes werden bei Barzahlung der Verwaltungsgeldbuße vor Einlegung eines Rechtsbehelfs nur drei Viertel eingezogen; dies entspricht einer Ermäßigung von 25 Prozent. Die Vorauszahlung berührt das Recht nicht, gegen den Bescheid einen Rechtsbehelf einzulegen.

In welchen Fällen ist ein Anwalt für Verkehrsrecht sinnvoll?

In den folgenden Fällen wird empfohlen, rechtliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen, da sich das Verfahren nicht auf die Verwaltungsgeldbuße beschränkt:

Sachverhalt Warum ist rechtliche Unterstützung erforderlich?
Einziehung oder Entzug des Führerscheins Die Rückgabe hängt von der Bezahlung sämtlicher Bußgelder, einer psychotechnischen Untersuchung und in manchen Fällen einer psychiatrischen Untersuchung ab
Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss Neben dem Verwaltungsverfahren läuft ein gesondertes Strafverfahren nach dem türkischen Strafgesetzbuch
Verwendung eines gefälschten oder zu einem anderen Fahrzeug gehörenden Kennzeichens Es wird ein Strafverfahren wegen Fälschung amtlicher Urkunden nach Art. 204 TCK geführt
Verkehrsunfall mit Todesfolge oder Verletzten Sachverständigengutachten, Feststellung der Verschuldensquote und Strafverfahren laufen parallel
Verlassen der Unfallstelle Vorgesehen sind Freiheitsstrafe und die Einziehung des Führerscheins für zwei Jahre
Schadensersatzansprüche nach einem Verkehrsunfall Die Berechnung von Verschuldensquote, Wertminderung, Behandlungskosten und Erwerbsminderung erfordert technisches Fachwissen
Hohe Bußgelder Bei Bußgeldern ab 140.000 TL sind die Kosten einer fehlerhaften Einspruchsstrategie hoch
Streitigkeiten mit Haftpflicht- und Kaskoversicherungen Das Verfahren vor der Versicherungsschiedskommission (Sigorta Tahkim Komisyonu) unterliegt eigenen Verfahrensregeln
Auf Wiederholung gestützte Bußgelder Die Berücksichtigung von Vorgängen vor dem 27. Februar 2026 als Wiederholung ist ein Einspruchsgrund

Schadensersatzklagen nach Verkehrsunfällen

Klagen auf materiellen und immateriellen Schadensersatz nach einem Verkehrsunfall sind eine andere Verfahrensart als der Einspruch gegen eine Verwaltungsgeldbuße. In diesen Verfahren gilt:

Wie wird das Anwaltshonorar bestimmt?

Die Untergrenze des Anwaltshonorars wird durch den von der Türkischen Anwaltskammervereinigung (Türkiye Barolar Birliği) erstellten und im Amtsblatt vom 4. November 2025 veröffentlichten Mindestgebührentarif für Rechtsanwälte 2025–2026 festgelegt. Der Tarif wurde durch das Amtsblatt vom 28. März 2026, Nr. 33207, geändert; dabei wurde die Berechnung der Anwaltsgebühr bei Angelegenheiten in der Zuständigkeit der Friedensstrafrichter, etwa beim Einspruch gegen Verwaltungsgeldbußen, neu geregelt.

Das Anwaltshonorar wird zwischen Mandant und Anwalt frei vereinbart, sofern es die im Tarif vorgesehenen Mindestbeträge nicht unterschreitet. Es richtet sich nach der Art der Angelegenheit, dem erforderlichen Arbeits- und Zeitaufwand, dem Streitwert und dem Umfang des Verfahrens. Für das in einem konkreten Fall anfallende Honorar ist eine Absprache im Einzelfall erforderlich.

Häufig gestellte Fragen

Wird die Einziehung des Bußgelds während des Einspruchs ausgesetzt?

Grundsätzlich wird während des laufenden Einspruchsverfahrens keine Zwangsvollstreckung zur Einziehung des Bußgelds eingeleitet. Wird der Einspruch zurückgewiesen, wird das Bußgeld rechtskräftig und eingezogen.

Kann ich geltend machen, das auf mein Kennzeichen ausgestellte Bußgeld nicht gesehen zu haben?

Eine ordnungsgemäße Zustellung gilt als wirksam. Wenn Sie geltend machen, die Zustellung sei fehlerhaft gewesen, müssen Sie dies beweisen; in diesem Fall beginnt die Einspruchsfrist ab dem Zeitpunkt, an dem Sie von der fehlerhaften Zustellung Kenntnis erlangt haben.

Mein Führerschein wurde eingezogen – wird er nach Ablauf der Frist automatisch zurückgegeben?

Nein. Seit dem Gesetz Nr. 7574 setzt die Rückgabe voraus, dass sämtliche Verwaltungsgeldbußen bezahlt sind. Zudem ist bei bestimmten Verstößen eine psychotechnische Untersuchung und in manchen Fällen eine Untersuchung durch einen Facharzt für Psychiatrie erforderlich. Wurde der Führerschein entzogen, muss erneut eine Fahrschule besucht werden.

Werden meine Verstöße vor 2026 bei der Wiederholung mitgezählt?

Nein. Nach dem vorläufigen Art. 27 werden Vorgänge vor dem 27. Februar 2026 hinsichtlich der im Gesetz genannten Artikel bei der Berechnung von Wiederholungsfällen nicht berücksichtigt. Eine gegenteilige Praxis begründet einen Einspruchsgrund.

Kann gegen ein Bußgeld wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss Einspruch eingelegt werden?

Ja, innerhalb von fünfzehn Tagen beim Friedensstrafrichter. Damit der Einspruch Erfolg haben kann, müssen konkrete Rechtsverstöße dargelegt werden, etwa zur Kalibrierung des Messgeräts, zur Einhaltung des Messverfahrens oder zur Art der Ausstellung des Protokolls.

Gegen wen wird das Bußgeld bei einem Mietwagen festgesetzt?

Wird anhand der der Polizei zugänglichen Daten festgestellt, dass das Fahrzeug zum Zeitpunkt des Verstoßes vermietet war, und verfügt der Mieter über eine zustellungsfähige Anschrift, wird der Bußgeldbescheid auf den Namen des Mieters ausgestellt und das Bußgeld beim Mieter eingezogen.

Ich bin ausländischer Staatsangehöriger – was passiert, wenn ich ein unbezahltes Verkehrsbußgeld habe?

Verwaltungsgeldbußen, die bis zur Ausreise nicht beigetrieben werden konnten, werden bei der erneuten Einreise eingezogen. Ist die Einziehung nicht möglich, wird die Einreise verweigert.

Fazit

Das Gesetz Nr. 7574 hat das Bußgeldsystem im Straßenverkehr nicht nur hinsichtlich der Beträge, sondern auch hinsichtlich der Struktur der Sanktionen verändert. Im Mittelpunkt stehen die Staffelung der Geschwindigkeitsbußgelder nach km/h, die mit jeder Wiederholung steigenden Bußgelder bei Rotlicht- und Handyverstößen sowie die Kopplung der Rückgabe des Führerscheins an die Bezahlung sämtlicher Bußgelder und an gesundheitliche Untersuchungen.

Das in der Praxis häufigste Problem besteht darin, dass sich Fahrer nur auf das Bußgeld konzentrieren und die Sanktion in Bezug auf den Führerschein sowie die fünfzehntägige Einspruchsfrist übersehen. Steht eine Führerscheinmaßnahme im Raum oder zieht der Verstoß zugleich ein Strafverfahren nach sich, kann eine rechtliche Prüfung zu Beginn der Frist einen Rechtsverlust verhindern. Es wird empfohlen, anwaltlichen Rat einzuholen.


Rechtlicher Hinweis: Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. sophoshukuk.com gibt keine Empfehlung, Garantie oder Erfolgszusage ab. Jeder Fall ist nach seinen besonderen Umständen zu beurteilen; für Ihren konkreten Streitfall holen Sie bitte anwaltlichen Rat ein.

Letzte Aktualisierung: 12. August 2026